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Dornenreich




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Dornenreich Album


Her von welken Nächten (2001)
2001
1.
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4.
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6.
7.
8.
9.
. . .


Was zieht her von welken Nächten?
Fühl' nun selbst, was diese Dir brächten,
was sie Dir bringen... sie schon brachten.

(Das Ich nimmt wahr)
... Stummes Dunkelsehen... stolpernder Dunkelblick...

(Die Natur vernimmt dies selbst)
... ein menschähnlicher Riß in welker Nacht Gewand...

(Ich)
... tapfere Töne tummeln sich... in dunkelwellenden Unbehagen...
schattengroße Schwebeklänge...

(Natur)
... ein menschähnlicher Lauschepflock...
in welker Nächte Schlummertanz...

(Ich)
... blauschwere Süße... gekostete Traumschleier...

(Natur)
... ein menschleiser Sog in welker Nächte Himmelhauch...

(Ich)
... nahegleitende Lauerlüfte... hautzüngelnde Schlotterschergen...
knochenströmendes Kältewehen...

(Natur)
...ein menschähnlicher Zittersplitter in welker Nächte grauem Wind...

(Das Ich erkennt)

"Ich bin fassende Ungeduld
und oft erdachtes Zögern.
Sagbar Ich,
ein Mensch von welker Nacht Gestalt,
ein Mensch in seinem eig'nen Halt."

. . .


Was zieht her von welker Nacht?
meist liegt's in meiner Sinne Macht…
Schimmer und Schatten scharen sich,
Stimmen um Stimmen drängen sich,
Düfte und Grüfte heben sich,
Säfte und Gifte tauchen sich,
Dorn und Feder tauschen sich…

Aus meiner Sinne wildem Weben
zu einem Alleinigen - meinem Erleben.
Und ist dies auch meine einz'ge Würde,
es bleibt zugleich meine letzte Bürde,
denn wenn mein Sturzesschrei
in mir - verhallt,
war alle mein "Ich" vergeb'ner Halt.

Was zieht weiter her von welken Nächten?
es quoll zuvor aus meines Geistes Schächten:
Mir wallt die Nacht als Schutz herab
vor Tages grobem Blenden,
das weiter in die Irre zerrt,
mein Selbstsein zu beenden,
meine Haut in alle Welten spannt,
mich dienlich zu verschwenden.

Die Nacht, sie reicht mir meine Hand,
zu fühlen wie ich bin und wer,
der lange dort so seltsam stand
und der erst hier sich selbst erkannt.

Aus meiner Gedanken eig'nem Streben
flackert ein alleiniges - mein - Erleben.
Und ist dies auch meine einz'ge Würde,
es bleibt zugleich meine letzte Bürde,
denn wenn mein Sturzesschrei
in mir - verhallt,
war all mein "Ich" vergeb'ner Halt.

Ich fehle mir an Dir,
Bin einsam - bin aus mir
... und bleibe ich?

. . .


[Stimme:] Wer hat Angst vor Einsamkeit?
[Ich:] Jemand.
[Stimme:] Und wenn sie erst kommt?
[Ich:] Dann sterbe ich davon.
[Stimme:] Und war sie doch schon immer da?
[Ich:] Dann spür' ich nur den letzten Stich,
Ich sterbe mehr … elendiglich…
Tödlich - sicher … tödlich … mich.

[Stimme:] Mensch ist einsam - ist aus sich,
Ruf Deinen Namen - befreie Dich!
Von Einsamkeit, die alles leidet,
jeden Blick in Tränen kleidet,
Und dabei allzu weinerlich
Alles bloß nicht sich beneidet.
Ruf' Deinen Namen, befreie Dich!
Hier - Jetzt - Willentlich

Wer hat Angst vor Einsamkeit?

[Ich:] Niemand … Niemand

[Stimme und Ich:] Selbstherrlich!?!?

. . .


(Ich:) Was zieht her von welker Nacht?
Ich bin es selbst und gebe Acht,
dass niemand mich verstehen macht:
Zwar meinen meine Sinne mich,
Doch treu sind sie auch dann nur sich,
Ich nehme stets, was sie mir geben,
Denn bislang reicht's zum Überleben.

(Stimme:) Doch bitte, Mensch,
Denk' an nichts Großes!
Es bleibt Überleben, und zwar
Ein Bloßes.

(Ich:) Was zieht her von welker Nacht?
Ich bin es selbst und gebe Acht,
Dass niemand mich verstehen macht:
Ich hab' mir alles ausgedacht,
Habe überhaupt nur viel gedacht,
Der Tod hat mich schon in Verdacht,
Dass ich - zum Leben nie erwacht,
Noch heute schwärzer träumen möchte.

Eine Lüge scheint so grell,
(M)eine Wahrheit weithin dunkel,
Was zieht her von welker Nacht?
Meine Augen sehn nur hell…
Mein Gedanke stirbt zu schnell…

. . .


…bleicherschlichene Flackertüre…
Bleichbestauntes Loderschloß…
Dich öffnet keine Angst,
Du bist die and're Möglichkeit,
Ich ahne Deine Wichtigkeit,
Doch wähl' ich tote Sicherheit.
Mut Du abverlangst,
Da dem Mute vertraut
Die Richtigkeit.

Mut, mein Funkelschlüssel,
Öffnete jedes Schloß
Zu meinem Innerwillen,
So ich ihn nötiger spürte…
Denn, auch die eine Türe birgt ihre Freude,
Doch nur die Flackertüre hegt mein Glück.

Ist ein Moment meine größte Wahl,
So ist die Flackertüre noch verschlossen,
Erst da ein Moment ist wahllos mein,
Mein Innerwille ward erschlossen,
Mein Leben frei und ganz genossen.
Mein Innerwille lebt mich einzig,
Er fühlt nur (m)eine Möglichkeit,
Und wo eine Wahl zerfräße mich,
Er läßt dem Moment Lebendigkeit,
So leb' ich tränende Wirklichkeit.

Mein Innerwille ist mein Docht
Mein Mut ist meine Flamme
Im Willen blitzt die Leidenschaft
"Leben" heißt das Brennen…

. . .


Halt' still und fühle Dein Empfinden!

Der Moment bin Ich in meinem Leben.
Der Moment ist Ich in meinem Leben.

Gefühl ist Ich in meinem Leben.
Der Gedanke ist Ich in meinem Leben.

Was weht her von welker Nacht?
Unendlicher Friede in gelebten Moment!?

. . .


Tag - Schwarz schaut Glitzerwucherflut,
Das Zerrwerk, das nur nachtseits ruht.
Wahnsinn, den ich hier scheint's fliehe,
(Nur) meines Wahnsinns letzter Schild,
(Scheint) namenloser Ängste Quelle,
Aller Wahrheit Winkelbild.

Nacht - Schwarz schaut mäßiges Nichts,
Den schweren Glanz des Mondeslichts.
Tiefe, die ich darin seh',
(Nur) meiner Tiefe Spiegelbild,
(Scheint) stiller Sehnsucht letzter Zeuge,
Aller Leere letzter Schild.

Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz,
Sonne - Mond, den starren Tanz,
Der milde alle Wege meidet,
vor - zurück - im Abgrund schwingt,
Und mir meine Träume neidet.
- Schwarz durchschaut -
- Schwarz sehnt sich sehr -

. . .


Fragen ragen über Fragen,
Und niemand kann lang' Antwort sagen,
Was Einsamkeit, was Richtigkeit,
Was Mut und Überheblichkeit,
Was Liebe, Freund und Eigenheit,
Und all ihr… Rätsel wirklich seid.

Manch' Gedanke dringt zum Herzen
Als die Wucht aller Schmerzen,
Doch dies' bitterwonnige Beben,
Ist mein Puls für inniges Leben.

Trauerbrandung - Ich trinke Tränen.
Ich schöpfe Kraft.

Ich denke und frage und weine sehr,
Ich schweige und schweige und sieche leer,
Ich fühle und frage und weine sehr,
Ich sehne mich weiter - Ich bin sehr.

Manch' Empfindung dringt zum Herzen
Als die Wucht aller Schmerzen,
Doch dies bitterwonnige Beben,
Ist mein Puls für inniges Leben.

Trauerbrandung - Ich trinke Tränen.
Ich schöpfe Kraft.

. . .


Das Kind, das ich einst war, sah still und länger hin,
Es ruhte auf der Luft…
Doch irgenddann brach ich aus mir herab.
Ich fiel hinein in die Zeit, doch leider nicht unendlich weit…
Mein Schmetterfels: Vergänglichkeit.
Und während mein Blick nun jahrelang durch
Gedankenscherben strich,
Sich nur schmerzlich weiten konnte, flog die Zeit in meinem
Schatten, und drängte traurig heimlich mich.

Erst an welker Nächte Morgen, als scherbenfrei der Blick sich
Spannte, sah ich in seiner ganzen Fülle, Die Zeit, die sich
Mein Leben nannten, ja, die ich einst als Kind schon kannte,
Ein Lichtspiel eines kindlichen Seins, das wandelfarb'nen
Blickes mich, ja mich, erwünschte.

Ihr Blick glitt weich in Silben:

"Ich bin Dein einzig' Publikum,
Drum mein Wesen fühl' vertraut,
Lass sehn wohin man durch Dich schaut
Und fühlen mich mit Deiner Haut,
Ich erlebe, was Dir wirklich ist.
Ich bin Dein einzig' Publikum,
Drum mein Wesen denk' vertraut,
Ich möchte, was Dein Geist anstaunt.
Sei
Ich bin inbei."

Sie schmiegte sich wild an meine Hülle,
Taumelasche sprach von Wind,
Sie ist Neugier - die Endlose,
Staubfliehender hieß dies "Hast".

Sie nahm meine Gesten,
Wie Ich sie innigst meinte,
Und ehe Ich "Allein Sein" sehnte,
Erfloß Sie all mein Sein
Langsam, dunkel, voll und sanft…

Jetzt bin ich beinah wieder Kind,
Frei belebe ich jeden Moment,
Ohne Furcht vor vielem Gestern,
Denn in Zeit bin ich mir selbst Geschenk.

Der Moment ist dabei Publikum.
Mein Lidschlag fordert ihn heraus,
Mein Lächeln ist wie sein Applaus,
Und manchmal gleicht mein leerer Blick
Seinem enttäuschten Entsetzen,
Denn wenn ich ihm nichts mehr zeigen kann,
Erhebt er sich - verläßt mich schnell,
Und nur einem gefällt meine starre Not,
Nun ist es vorbei.

Denn da klatscht

Der Tod.

. . .


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